BDSM

Ich denke gerade über vieles nach, denn in den letzten Wochen ist soviel passiert, mehr als in den letzten 8 Jahren meiner Ehe.

Ich frage mich, wer ich geworden bin! Wer ich war! War diese Lust nach Schmerz schon immer da und habe ich immer nur so getan, als wäre ich jemand, der ich nicht bin? Denn das Leben, was ich jetzt führe, ist so viel freier, so voller Erfüllung, dass ich gar nicht verstehen kann, dass ich es jemals anders ausgehalten habe. Ich lebe erst jetzt wieder! Als wäre mein Kopf lange unter Wasser gewesen und nach einem langen tiefen Atemzug ist nun das Leben in meine Brust zurückgekehrt.

Aber wer war ich eigentlich bisher?

Ich bin jetzt 29 und habe in der Firma meines Vaters gelernt. Ja, das ist echt eher etwas aus den 20-ern oder? Aber so war es immer! Meine Familie war immer sehr „klassisch“. Andere Wörter, die mir in den Kopf kommen sind: kleinbürgerlich, spießig, und so weiter.

Das Leben bestand immer nur aus Pflichten und Arbeit. Aus dem, wie man zu sein hat, nicht das was man sein will. Das erste Mal, dass mich jemand gefragt hat worauf ich Lust habe, war mit 28. 28! Niemals vorher hat mich jemand gefragt, was ich wirklich will, was ich begehre, wonach ich dürste, nicht einmal mein Mann. Niemals! Warum liebe ich ihn eigentlich? Liebe ich ihn überhaupt? Oder liebe ich nur, weil es meine Pflicht ist?

Unsere Geschichte ist so klassisch klein wie meine Familie. Wir trafen uns eher zufällig. ER war der Nachhilfelehrer meiner kleinen Schwester in Mathe, ein ehrlicher und aufrichtiger junger Mann, aber älter als ich. Ich war 19 und er 24 mitten im Studium und nachdem er unser Haus verlassen hatte, nahm mich meine Mutter mit den Worten: „Der ist doch ordentlich, hat eine Kariere vor sich und einigermaßen Geld hat er auch. Den solltest du dir mal näher ansehen! Worauf wartest Du noch?“ zur Seite. Danach ging alles wie im Automatismus. Meine Mutter sage ihm, er solle mich mal ausführen, was er tat. Dann sagte meine Mutter, er solle mich fragen, was er auch tat. Und jetzt sind wir seit  8 Jahren verheiratet.

Ich glaube nicht, dass ich ihn hasse. Ist er wie ich, in Sehnsucht und Suche nach sich selbst, aber gefangen in dem, was von ihm erwartet wird. Nur leider noch nicht so weit wie ich. Ob ich ihn wohl verzaubern könnte, einmal mit mir zu gehen? Er muss doch mittlerweile vermuten, dass ich nicht nur zum arbeiten gehe, so glücklich wie ich immer zurück komme. Nein! Noch nicht! Ich glaube er ist noch nicht so weit.

 

https://bondagedatinggermany.tumblr.com/post/168119248123/but-who-was-i-so-far


Unser Anfang war gut. Wir waren glücklich. Eine kleine glückliche Familie!

Aber irgendwann war die Luft raus. Wir waren gerade 3 Jahr verheiratet und langsam begann sich der Alltag wie ein graues Tuch über mein Gemüt zu legen. Der Umstand, dass seine Mutter zu uns gezogen war um mir, wie sie sagt, „im Haushalt zur Hand zu gehen“, half da auch nicht wirklich. Ganz im Gegenteil. Sie war eher mein Aufpasser, mein Meister! Und ich?

Vielleicht kam ich hier auch das erste Mal mit Schmerz in Berührung? Vielleicht sogar mit Sadismus?

Doch was ist Schmerz? Sadismus verursacht ihn und Masochismus erträgt ihn? Was ist Sadismus für mich heute? Für mich bedeutet es, sich wohl zu fühlen! Klingt für Dich absurd?

Hätte ich vor ein paar Monaten auch gesagt! Heute weiß ich, es gibt guten wohligen und positiven Schmerz. Bondage kann ihn verschaffen. Beherrschung und Selbstbeherrschung können Dich erfüllen!! Der Sadist ist mehr als Dein Partner , damit Du diesen Schmerz erlebst.

Bondage Livestyle, das Wort viel vor ein paar Tagen! Ein Modewort für den Einen und für den Anderen die Bezeichnung für eine intensive Bondage-Beziehung! Warum mögen Leute Bondage?  Ich will Bondage ausprobieren. Ich will Schmerzen, die der Bestrafung dienen. Ich bin hungrig danach! Seit wann? Seit ein paar Wochen bewusst, aber wie lange schon unbewusst?

Die böse Schwiegermutter im Haus! Da fragt sich gleich jeder: Hast Du damit nicht genug Schmerzen?

Als ich es das erste Mal bewusst tat, mich meiner Leidenschaft bewusst stellte, sie ohne die Ketten meiner Erziehung und meiner Vergangenheit zuließ, war es als wenn mich ein Blitz traf. Eine Erleuchtung geradezu! Kein schleichender Prozess! Ein ganz spontanes mächtiges Gefühl! Mein Sadist (so nenne ich ihn auch liebevoll – Es ist nicht mein Mann! -) hatte es mir prophezeit. In einem Moment der vollkommenen Hingabe überkam mich dieses Gefühl von *überstolz*, weil ich etwas ertragen habe, dass ich dachte, dass ich es nie ertragen könnte. Die Grenze wurde erreicht und überschritten. Ich hatte tiefstes Vertrauen und war ohnmachtnah erschüttert und doch absolut positiv berührt! Das banale Wort Orgasmus trifft es nicht im Ansatz!

Keine Beziehung funktioniert ohne Anerkennung. Auch Sadomaso Partnerschaften nicht! Da wird eine Sehnsucht erfüllt, die unendliche Wege offen hält, ja sadistische Möglichkeiten sind eben mehr Möglichkeiten. Auf einmal ist viel mehr möglich! Andere Begierden, neue Wege für Anerkennung und Bewunderung!

Was für ein Glück für mich, dass es böse Schwiegermütter gibt! Sie hat mich dahin gebracht!

Aber ich schweife ab und greife vor. Wie hatte es noch einmal angefangen? Ja genau: Es war Freitag, trüb, kalt nass? Meine Schwiegermutter langweilte sich immer bei so einem Wetter. Ihr Spaziergang war dem Regen zum Opfer gefallen und deswegen betrat sie zu meinem Leidwesen die Küche und schaute in meine Kochtöpfe, wo ich das Essen für den Abend vorbereitete. Die Soße war ihr zu dünn und dann auch noch Reis? Es passen ja wohl Kartoffeln viel besser als Beilgae. Sie rümpfte die Nase! Das Fleisch hatte natürlich auch zu wenig Fett und ich hätte es nicht im Supermarkt kaufen sollen. Diese alte eingemottete Art zu kochen war öfter ein Punkt über den sie mich zur Weißglut trieb. Aber ihr war ich ja nie recht, nichts was ich tat war genug oder richtig. Und überhaupt, hatte ich das Bad wieder nicht gründlich genug geputzt. Ich verriet ihr nicht, dass ich es an dem Tag noch gar nicht geputzt hatte und blieb geduldig. Dann fiel der eine Satz. Sie sagte es wie nebenbei: “Was bist du nur für ein Mensch? Nichts kannst du. Dabei hätte mein Sohn jede haben können. Du wirst immer dümmer”

Das berührte mich! Es schmerzte sogar. Aber im Gegensatz zu sonst gefiel mir der Schmerz.

Durch dieses Gefühl hörte ich den nächsten Satz wie durch eine Wattewolke: “Ich habe Dir eine Stelle besorgt!” Eine Stelle? Ich war eben noch bei dem Gedanken an meinem Schmerz. Ich sagte kein Wort, war sprachlos, wie erstarrt geradezu und vergaß zu rühren. Sie nahm mir den Löffel aus der Hand. Und dann: “Ich habe es schon mit meinem Sohn besprochen.” Sie betonte *mein* beim Sprechen, ihr Besitz, nicht meiner! Sie probierte noch mit einem verschmitzten Lächeln die Soße: “Da fehlen Pfeffer und Kümmel!”, drehte sich triumphierend auf ihren kleinhackigen Hausschuhabsätzen um. War verschwunden und lies mich stehen, bevor ich etwas sagen konnte! Sie war mir immer überlegen und ließ es mich immer spüren…

Sie hat mir die Augen geöffnet. Ich glaube, sie hat mich schon immer anders gesehen. Wollte sie mich führen, mich leiten, mir befehlen? Ich sehe sie jetzt ganz anders als zuvor!

Sie hat schon immer versucht, mich an meine Grenzen zu bringen! Psychisch. Ich wäre faul, undankbar, unzuverlässig, unfähig und nicht gut genug! Darum ist sie auch zu uns gezogen.

Vor 4 Jahren, an Weihnachten, als ich die Ente hab verbrennen lassen, weil ich in Gedanken versunken nach 3 Glas Rotwein im Sessel eingeschlafen war.

Lack Latex und Leder# gibt es den geileres und schärferes um die Sinne anzuheizen? für mich nicht#Bondage#Dating.de

A post shared by Bondage dating Germany (@bondagedatinggermany) on

Sie nahm mich zu Seite und schrie mich an, aber ganz leise, so das es niemand außer mir hörte.

Ihre Worte waren tief verletzend und schnitten sich wie Messer in meine Seele, meinen Stolz und meine Gefühle. „Schlechte Frau, Schlechte Hausfrau, eine Schande, Enttäuschung!” Der größte Teil meines damaligen Ichs weinte und entschuldigte sich bei ihr, aber eine kleine Stimme in meinem Inneren fand gefallen daran. „Ja, mach weiter! Komm schon. Schlag zu! KOMM SCHON TU ES….bitte“

Ich sah dieses Blitzen aber auch in Ihren Augen. Im Nachhinein ist es dann auch kein Wunder, dass die Idee für “meinen Job“ von ihr kam.

Dieser Job, in einen Haushalt vermittelt, wo man mir noch etwas beibringen wird! „Damit ich endlich auch eigenes Geld verdiene und die Familie unterstütze!“. Ins Familienunternehmen durfte ich nicht zurück, weil ich angeblich die Männer vom arbeiten abhalte.

Wie auch immer. Ich bin gelandet wo ich bin. Glück gehabt sage ich heute. Vor wenigen Wochen, welche Erniedrigung, für andere putzen zu müssen. Es sollte nur eine begrenzte Zeit sein, so hat es mir mein Mann versprochen. Nur unter der Bedingung hatte ich mich bereit erklärt! Meine Einstellung zu diesen Worten ist eine andere geworden.

Hoffentlich darf ich länger bleiben! Ich war noch nie so frei wie jetzt!

You may also like

Getragene Höschen – welch geiler Duft

Ein neuer Lebensabschnitt. Ich, Paul (23), habe nach meiner Ausbildung

Warum mögen Menschen Bondage und Schmerzen?

Das Chatfenster öffnet sich. Hier bin ich. Unerfahren. Verunsichert. Neugierig.

Leben in einer BDSM Beziehung, meine Geschichte!Teil 1

  Ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die von sich